AMÖ-Möbelspediteure: Trotz Problemen optimistisch

Die AMÖ-Möbelspediteure stehen vor hohen Hürden. Das Gewerbe will sich aber nicht ausbremsen lassen.

Sinkende Wohnmobilität durch stetig steigende Mieten, anhaltende Personalprobleme sowie Zurückhaltung in Sachen Investitionen aufgrund unsicherer struktureller Rahmenbedingungen und/oder derzeit nicht absehbaren politischen Entscheidungen:

Die AMÖ-Möbelspediteure stehen vor hohen Hürden, trotzdem lässt sich das Gewerbe selbst von undurchsichtigen Themen wie dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht abschrecken und blickt optimistisch auf das laufende Jahr 2019 sowie das kommende Geschäftsjahr 2020. Das belegt eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der AMÖ.

Sehr gute bis gute Auftragslage

Zwei von drei befragten Mitgliedsunternehmen bewerten die aktuelle Auftragslage mit „sehr gut“ und „gut“. Rund jeder Fünfte bewertet sie mit „befriedigend“, und knapp 12 Prozent als „ausreichend“ oder schlechter. Der Blick in die Zukunft zeigt auch für 2020 ein – wenigstens verhalten – optimistisches Bild. 45 Prozent gehen wenigstens von einer gleichbleibenden Auftragslage aus. Elf Prozent schätzen, diese werde sich sogar noch verbessern. Monetär erwartet ein Drittel der befragten Mitgliedsunternehmen der AMÖ im Jahr 2019 ein Umsatzplus, etwas weniger als die Hälfte (47 Prozent) geht davon aus, dass ihr Umsatz dem des Vorjahres entspricht. In sechs von zehn Unternehmen gehen sie zum Ende des Geschäftsjahres von einem gestiegenen, wenigstens aber von einem gleichbleibenden Gewinn aus.

Schwierige Wirtschaftslage und sinkende Wohnmobilität

Ob sich dieser Optimismus der Möbelspediteure der AMÖ auf Folgejahre überträgt, bleibt abzuwarten. Die Wirtschaft schrumpft, die Industrie und andere Branchen fahren mit angezogener Handbremse. Die Gründe der schlechten wirtschaftlichen Großwetterlage, die den Möbelspediteuren bewusst ist, sind nicht zuletzt aufgrund falscher Prioritäten der Bundesregierung auch hausgemacht – statt etwa für Impulse für öffentliche oder private Investitionen zu sorgen wird über neue Steuern diskutiert oder Verlängerungen von Maßnahmen beschlossen, die das wirtschaftspolitische Ruder laut Expertenmeinung nicht herumreißen.

Vor allem in Ballungsräumen wie München, Frankfurt am Main oder Stuttgart, haben Mieter mit hohen Wohnkosten zu kämpfen. Eine stetig abnehmende Wohnmobilität der Bevölkerung in Deutschland haben unterschiedliche Erhebungen bereits gezeigt, etwa die Wanderungsmotivbefragung 2017 der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover, deren Daten stellvertretend für andere Städte gelten dürften.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verknappung auf dem Wohnungsmarkt mit der daraus resultierenden Preisentwicklung sinkt die Zahl der Umzüge massiv. Beispiel Hannover: Waren es dort im Jahr 2004 noch rund 51.500 Umziehende, zogen 2015 mit noch 39.800 Menschen etwa ein Fünftel weniger Menschen um. Und ganz prinzipiell gilt: Wer umzieht, muss mit teureren Mieten rechnen.

Mitte August 2019 hatte sich nun die große Koalition auf ein Paket für den Mietmarkt verständigt, und dabei unter anderem eine Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2025 sowie eine Neuberechnung für die ortsübliche Vergleichsmiete beschlossen. An neu geschaffenem Wohnraum, das kritisiert unter anderem der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, fehlt es aber nach wie vor, weshalb die Befürchtungen groß und nicht abwegig sind, dass die als befristetes Instrument angelegte Mietpreisbremse über die aktuelle Verlängerung hinaus bestehen bleibt, sofern sich die Lage im Wohnungsmarkt bis 2025 nicht verbessert hat.

Die Folgen für Möbelspediteure dürften spürbar werden: Die Menschen bleiben standorttreu, weil sie dort aufgrund des staatlichen Preisdeckels keine höhere Miete befürchten müssen – bei einem Umzug hingegen schon. In der Rückschau betrachtet hat sich dieser staatliche Preisdeckel allerdings nicht als Lösung des Problems erwiesen. Dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum, der wiederum die Wohnmobilität ankurbeln würde, wurde nicht in ausreichendem Maße neu geschaffen. In der Konsequenz bleibt die Mietpreisbremse damit auch eine Investitions- und Konjunkturbremse – und ein Einschnitt in die Geschäftsgrundlage der Möbelspediteure in Deutschland. Von der verschärften Situation auf dem Wohnungsmarkt sind also nicht nur Mieter und Wohnungskäufer negativ betroffen, sondern auch die Möbelspedition.

Factsheet: Ausgewählte Ergebnisse im Rahmen der aktuellen Online-Umfrage
 
Wie bewerten Sie Ihre Auftragslage im Jahr 2019?
  • Zwei Drittel der Befragten bewerten die aktuelle Auftragslage mit „sehr gut“ (16 Prozent) und „gut“. (50 Prozent)
  • 22 Prozent bewerten sie mit „befriedigend“.
  • Jeder Zehnte sieht die Situation „ausreichend“ oder schlechter
 Auftragsentwicklung 2020
  • Rund jeder zehnte befragte AMÖ-Möbelspediteur geht von einer Verbesserung aus
  • Leicht weniger als die Hälfte (45 Prozent) schätzt sie als gleichbleibend ein
  • 14 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus
 Umsatzerwartung 2019 im Vergleich zu 2018
  • Ein Drittel der Befragten erwartet ein Umsatzplus
  • Fast die Hälfte (47 Prozent) schätzt den Umsatz als gleichbleibend ein
  • Knapp jeder Fünfte (22 Prozent) geht von weniger Umsatz aus
 Gewinnerwartung 2019 im Vergleich zu 2018
  • Ein Viertel erwartet einen höheren Ertrag
  • Ein Drittel (36 Prozent) erwartet einen ähnlich hohen Ertrag
  • Vier von zehn Unternehmen erwarten einen niedrigeren Ertrag

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